Nothilfeaufruf

Die biblische Plage - Heuschreckenschwärme erreichen Partnerorganisationen

UPDATE 27.03.2020:

Neben der Coronakrise, die derzeit die ganze Welt in Atem hält, wird Ostafrika parallel noch immer von einer gewaltigen Heuschreckenplage heimgesucht. Die Coronakrise erschwert den Kampf gegen die Insekten zusätzlich. Neben fehlender medialer Aufmerksamkeit für die noch immer prekäre Situation, scheinen auch die derzeitigen Grenzschließungen die Situation zu verschlechtern. Laut dem kenianischen Landwirtschaftsministerium verläuft die Versorgung mit notwendigen Pestiziden derzeit nur schleppend.

Unsere Partner*innen in Tharaka, Kenia, berichten derweil von neuen Schwärmen, die bereits aus der zweiten Generation Heuschrecken stammen müssen, die sich auf Grund der anhaltend günstigen Wetterbedingungen lokal stetig weiter vermehren.


In der ost-kenianischen Region Tharaka arbeitet die Zukunftsstiftung Entwicklung mit den Organisationen SAPAD und Ridep zusammen. Die Gebiete, in denen die Organisationen tätig sind, sind aktuell von der Heuschrecken-Plage sowie von starken Regenfällen betroffen.

Die Heuschreckenschwärme kommen aus den Wüsten im Nordosten und erreichen inwischen fruchtbare Gebiete in Kenia. So auch die der Kleinbäuer*innen in der Region Tharaka. Mit Stöcken, geschwenkten Tüchern, lautem Klopfen auf Töpfe und Pfannen und stark qualmenden Schwelbränden versuchen die Menschen, die Schwärme von ihren Feldern fernzuhalten. In der Region leben etwa 134.000 Menschen hauptsächlich von Viehzucht und Ackerbau in Subsistenzwirtschaft, wodurch sie der Heuschreckenbefall besonders trifft.

Die Wüstenheuschrecken ziehen in riesigen Schwärmen in das Land. Ein Schwarm besteht aus bis zu 150 Mio. Heuschrecken pro Quadratkilometer. Ein Quadratkilometer Heuschrecken kann dabei pro Tag so viel Nahrung vernichten, wie 35.000 Menschen pro Tag zum Leben brauchen – und die Schwärme sind teilweise tausende von Quadratkilometern groß. Sie fressen Pflanzen und Bäume komplett ab. Das verstärkt die bereits vorher unsichere Ernährungssituation vieler Menschen in ganz Ostafrika, die in den letzten Jahren mit widerkehrenden Dürren kämpfen mussten. Auch Uganda befindet sich in Alarmbereitschaft, und rechnet täglich mit einem Eintreffen der Schwärme.

Die explosionsartige Vermehrung der Wüstenheuschrecken ist auch durch den Klimawandel begünstigt. Denn die ungewöhnlichen massiven Regenfälle in den vorangegangenen Wochen, kombiniert mit hohen Temperaturen, haben den Wüstenheuschrecken ideale Bedingungen für ihre Vermehrung geboten. Ohne diese Nässe und das damit einhergehende gute Vegetationsangebot wäre die Anzahl der Heuschrecken nicht in dieser Art und Weise angestiegen, so Jasper Mwesigwa vom IGAD, dem Klimazentrum der ostafrikanischen Regionalgemeinschaft.

Die Regierung bekämpft die Schwärme mit Pestiziden, die aus der Luft versprüht werden. Jedoch gibt es zu wenige Flugzeuge, so dass die Wartezeiten lang sind, wenn die Regionen betroffen sind. In Tharaka ist der erste Befall zerstreut worden, die nächsten Schwärme rücken bereits von Nordosten aus Somalia und Äthiopien an. Jetzt wurden die kleinen Flugzeuge aus der Region abgezogen und die Bäuer*innen sind verzweifelt und verstehen das Krisenmanagement der Regierung nicht. Jedoch bildet die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) derzeit 500 Freiwillige aus, die Pestizide sprühen sollen. Als Bodenteams sollen die jungen Männer damit ausschwärmen und die Heuschrecken bekämpfen.

Die Chemikalien, die für die Eindämmung der Heuschreckenplage verwendet werden, sind teils hoch toxisch und nicht alle in der EU zugelassen. Berichten zufolge werden u.a. Chemikalien wie Chlorpyrifos, Teflubenzuron oder Deltamethrin zur Bekämpfung der Plage verwendet. Chlorpyrifos wird in Deutschland bereits seit 2009 als Wirkstoff nicht mehr vertrieben, seit dem 31. Januar 2020 ist seine Zulassung zudem auf europäischer Ebene ausgelaufen. Möglich ist derzeit jedoch auch, dass weitere Chemikalien für die Bekämpfung der Heuschrecken verwendet werden, die auch langfristig gravierende Auswirkungen auf Umwelt und Mensch haben: Das Mittel Acephat beispielsweise wird in Kenia noch immer verwendet und vermutlich auch im Zuge der Heuschreckenplage eingesetzt. Acephat ist als als Organophosphat-Insektizid in Europa verboten. Sein Abbauprodukt Methamidophos ist als Enzyminhibitor und Neurotoxin für Säugetiere hochgiftig und bedroht insbesondere Vögel und Honigbienen.

Ein zusätzliches Problem ist, dass die Heuschrecken beginnen, Eier zu legen. Da bereits im März die nächste reguläre Regenzeit ansteht, wird das Nahrungsangebot bestehen bleiben. Ein Abschwächen der Situation ist im schlimmsten Fall erst wieder in einigen Monaten zu erwarten, wenn die Trockenheit im Juni einsetzt. Bis dahin können sich die Schwärme ungebremst exponentiell vermehren.

In Tharaka herrscht Verzweiflung. Die zusätzlichen, völlig unüblichen andauernden Regenfälle lassen die Ernten verrotten, Straßen sind schwer passierbar, was die Arbeit auf den Feldern insgesamt erschwert. SAPAD befürchtet das Eintreten einer großen allgemeinen Hungersnot. Um der sich leisen anbahnenden Katastrophe akut entgegenwirken zu können, bitten wir um Spenden für Nahrungsmittelhilfe. Darüber hinaus möchten wir das BIBA- Kenyan Biodiversity Network dabei unterstützen, dass in Kenia im Kampf gegen die Heuschrecken keine Chemikalien eingesetzt werden, die in Europa bereits verboten sind. 

Zur Unterstützung unserer Partner in Tharaka benötigen wir dringend Ihre Unterstützung, primär für Nahrungsmittelhilfe! 



Das obenstehende Video zeigt Farmer in Tharaka, die versuchen ihre Ernte vor den Heuschrecken zu schützen.

Bildunterschriften:

1. Das feucht-warme Klima befördert die Fortpflanzung der Heuschrecken enorm

2. Eine vernichtete Bohnenernte

3. Die Grafik der Tagesschau zeigt die Bewegung der Heuschrecken in Ostafrika