Erfolg vor peruanischem Gericht

Kakaofirma wegen illegalem Handel mit Tropenholz verurteilt

Nachdem in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft eine multinationale Firma mit der illegalen Abholzung von Regenwald zum großflächigen Kakaoanbau begann, wandte sich die Organisation ACELPA aus Tamshiyacu im peruanischen Amazonastiefland an die GLS Zukunftsstiftung Entwicklung (ZSE) mit dem Anliegen, sie dabei zu unterstützen, durch Erwerb von Regenwald der Ausweitung der Rodungen Einhalt zu gebieten und dadurch effektiv ihren Lebensraum zu schützen. In einer konzertierten Aktion zwischen dem Weltfriedensdienst, Rettet den Regenwald e.V. und der ZSE konnten seit 2014 bereits über 550 Hektar Regenwald mit dem Ziel der Errichtung einer Gemeingut-Naturschutzzone gekauft werden. Nach und nach soll auch eine Samenbank mit seltenen und bedrohten Baumsorten entstehen. Zur Entwicklung einer tragfähigen Lebensperspektive, auch für die nachfolgenden Generationen, betreibt ACELPA eine Modellfarm und bildet sich gemeinsam mit anderen Gemeindebewohner*innen in der dynamischen Landwirtschaft weiter.

Die Nachricht über die Verurteilung der Kakaofirma und dreier Angestellter vom 25. Juli 2019 wurde von unserem Projektpartner ACELPA als wichtiger Etappensieg aufgenommen.

Urteil des Strafgerichts in Iquitos

Nach sechs zähen Jahren der strafrechtlichen Untersuchung und Verfahrensführung sprach das Zweite Strafgericht von Maynas – Loreto in Iquitos am 25. Juli 2019 ein für den Umweltschutz in Peru emblematisches Urteil: Drei Angestellte der Firma Cacao del Perú Norte SAC wurden zu Haftstrafen wegen illegalem Handel von Holzprodukten verurteilt. Tamshi SAC, das 2018 den Betrieb der Kakaoplantagen von der Vorgängerfirma übernommen hat, wurde zu einer Geldbuße von 15.720.461,27 Peruanischen Soles - umgerechnet ca. 4.127.370 Euro (Kurs laut Oanda, 13.08.2019) verurteilt. Am 8. August 2019 wurde der Text des Urteils verlesen und ist damit rechtskräftig.

Unter den Verurteilten befindet sich der frühere Generaldirektor von Cacao del Perú Norte SAC, Rubén Antonio Espinoza, der acht Jahre Haft wegen illegalem Holzhandel sowie wegen beträchtlicher Behinderung des rechtlichen Verfahrens verbüßen muss. Rubén Antonio Espinoza nahm die Aufgabe als Generaldirektor bei Cacao del Perú Norte SAC von Ende 2011 bis März 2014 über seine Anstellung als Managing Director beim peruanischen Zweig der TMF Gruppe wahr. TMF Peru wurde von Cacao del Perú Norte SAC mit der Erbringung von Dienstleistungen im Bereich der Buchhaltung, Gehaltsabrechnung, Steuerkonformität, Unternehmenssekretariat und rechtlichen Vertretung beauftragt.

Die beiden anderen ehemaligen Angestellten con Cacao del Perú Norte SAC, Ernesto Vega Delgado, ehemaliger Betriebsleiter, sowie Giovanny Cubas Ramírez, Vorarbeiter auf der Kakaoplantage, wurden wegen illegalem Holzhandel jeweils zu Haftstrafen von vier Jahren verurteilt.

Tamshi SAC wies unmittelbar alle Anklagepunkte von sich, verneinte Verbindungen zwischen der Vorgängerfirma Cacao del Perú Norte SAC und deren Mitarbeitern, und kündigte an, in Revision zu gehen.

Zum Hintergrund:

Die zuständige Staatsanwaltschaft von Iquitos wurde über einen Zeitungsbericht vom 2. September 2013 und Luftbildaufnahmen auf den massiven Holzeinschlag von geschätzten 1.900 Hektar im Hinterland der am Amazonasfluss gelegenen Gemeinde Tamshiyacu am aufmerksam. Die Kakaofirma Cacao del Perú Norte SAC hatte kurze Zeit vorher die Grundstücke erworben und ließ die Bäume zur Errichtung großflächiger Kakaoplantagen fällen, jedoch ohne zuvor die benötigten Genehmigungen für die laufenden Aktivitäten und die Verwendung der Grundstücke seitens der peruanischen Umweltbehörden eingeholt zu haben.

Nachdem eine erste Inspektionseinheit der Staatsanwaltschaft am 3. September 2013 am Betreten des Grundstücks der Firma gehindert wurde, wurden bei einem zweiten Versuch am 12. Oktober 2013 diverse zum Abtransport und Verkauf vorbereitete Tropenholz-Zuschnitte gefunden, die gemäß der peruanischen Gesetzgebung unter Schutz stehen.

Unternehmensgeflecht von Dennis Melka

Cacao del Perú Norte SAC war Tochtergesellschaft der Holding United Cacao Limited SEZC mit Firmensitz auf den Kaimaninseln. Gründer und Besitzer dieser Firma war Dennis Melka, ein Investor mit US- und tschechischer Staatsbürgerschaft, der bereits in Malaysia mit Palmöl hohe Gewinne erzielt hatte und in Peru ab 2010 ein als „Melka Gruppe“ bezeichnetes Geflecht aus zwei Dutzend Zweigunternehmen zum großflächigen Betrieb von Palmöl- und Kakao-Plantagen im Amazonastiefland aufbaute. United Cacao Limited SEZC war 2014 und 2015 an der Londoner Börse gezeichnet (Alternative Investment Market), nach internen Auseinandersetzungen gab Dennis Melka 2016 den Vorsitz ab Constantine Gonticas ab.

Zeitgleich häuften sich Klagen gegen die Firma in den peruanischen Bundesstaaten Ucayali und Loreto wegen illegaler Abholzung und Holzhandel, unrechtmäßigen Landnahmen, aber auch wegen nicht gezahlten Sozialleistungen an ehemalige Mitarbeiter*innen. In der 6.000-Bewohner-Gemeinde Tamshiyacu spalteten die Operationen der Firma die Bevölkerung in zwei Gruppen: Auf der einen Seite Menschen, die sich als Arbeiter*innen ein Einkommen auf den Plantagen verdienten, auf der anderen Seite Menschen, die darunter litten, dass sich die Firma Teile ihrer an die Kakaoplantagen angrenzenden Grundstücke einverleibte.

Hinzu kamen lauter werdende, kritische Fragen nach den Auswirkungen des großflächigen Monokulturanbaus für den sensiblen Regenwald, die Tierwelt und die hier lebenden Menschen. Bedrohungen nahmen zu, der soziale Frieden in der Gemeinde geriet aus dem Lot. Das peruanische Landwirtschaftsministerium ordnete 2015 einen Stopp des Betriebs der Firma an. Doch aufgrund mangelnder staatlicher Kontroll- und Zugriffsgewalt vor Ort konnte das Unternehmen den Anbau ungehindert unter dem Schutz von privaten Sicherheitsfirmen, die das Unternehmen beauftragte, fortsetzen.

Weiterbetrieb der Kakaoplantagen unter neuem Namen

2018 übernahm dann eine Firma, die andere Eigentümer ausweist – Tamshi SAC – den Betrieb der Kakaoplantagen, wobei die Grundstücke, die sich zuvor in Besitz von Cacao del Norte Perú SAC befanden, mittels sehr hoch dotierten Hypotheken an internationale Investoren (Scpo, Niantic Finance AG, Julien Robert Paul Regis Halley, Pierre Marcel Mauratille, NG Cheong Biang, Ng Cheong Lip und Manuel Barbieux) verpfändet worden sind. Die Verbindungen zur Vorgängerfirma sind bisher unklar; ebenso, wohin der hier angebaute Kakao geliefert wird. Wir bemühen uns, in diesem Bereich weiter zu recherchieren.

Weitere Informationen zur Zusammenarbeit zwischen der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung und ACELPA finden Sie hier.

Bildunterschrift: Das ACELPA-Team und Gemeindebewohner*innen von Tamshiyacu

Quellen:

http://www.keneamazon.net/Documents/Press-Release/Nota-de-Prensa-007-2019-KENE/Nota-de-Prensa-007-2019-KENE.pdf

http://www.keneamazon.net/Documents/Press-Release/Nota-de-Prensa-007-2019-KENE/25-07-19-Resolucion-16.pdf

http://www.keneamazon.net/Documents/Press-Release/Nota-de-Prensa-002-2019-KENE.pdf

http://proycontra.com.pe/tamshi-confia-que-sala-de-apelaciones-revertira-sentencia-de-primera-instancia/

https://blogs.taz.de/latinorama/2019/08/14/10210/

http://www.infostelle-peru.de/web/harte-strafen-wegen-abholzung-von-regenwald/

https://es.mongabay.com/2019/07/peru-sentencia-deforestacion-dennis-melka/

https://www.actualidadambiental.pe/descarga-en-pdf-el-libro-sobre-acaparamiento-de-tierras-y-deforestacion-en-la-amazonia/

http://www.infostelle-peru.de/web/aktuell-alles-ueber-palmoel-im-regenwald/

https://www.dw.com/de/macht-korruption-gigantische-palm%C3%B6l-plantagen-in-peru-erst-m%C3%B6glich/a-44017120

www.regenwald.org/regenwaldreport/2016/461/die-wegbereiter-der-abholzung