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Umweltschützerin in Peru unter Druck

Am 26.03.2021 fällte der Strafgerichtshof in Lima ein politisches Urteil gegen die Menschenrechts- und Umweltverteidigerin Lucila Pautrat.

Klimawandel und Erderwärmung sind in aller Munde. In Peru setzen sich zahlreiche Expert*innen für den Erhalt des Regenwaldes, den Kampf gegen den Klimawandel und die Verteidigung der Menschenrechte ein. Peru hat nach Brasilien den zweitgrößten Anteil am amazonischen Regenwald. Im Schatten der verheerenden Auswirkungen der Pandemie in Peru agieren internationale Konzerne – holzen illegal ab, explorieren das Gebiet, um Bergbau zu betreiben. Gleichzeitig floriert der Kokaanbau für die Drogenproduktion.

Lucila Pautrat, Forstwissenschaftlerin und Leiterin der Nichtregierungsorganisation Kené Amazon, setzt sich für den Erhalt des Regenwaldes ein und kämpft für die Einhaltung peruanischer Umweltgesetze. Sie unterstützt Bauern und indigene Vertreter im peruanischen Amazonasgebiet, deren Land von multinationalen Konzernen angeeignet wurde. Das internationale Kakaounternehmen Tamshi SAC stand wegen Übertretung der peruanischen Umweltschutzgesetze und illegaler Abholzungen in diesen Gebieten schon mehrfach vor Gericht, weitere Verfahren sind anhängig.

Nun versucht das Unternehmen, Umweltschützer*innen juristisch zu belangen. Lucila Pautrat, die die illegalen Strategien des Unternehmens öffentlich machte, wurde am 26.03.21 vom Strafgerichtshof in Lima wegen „schwerer Diffamierung des Kakaounternehmens Tamshi SAC“ verurteilt. Dies geschah obwohl Lucila offiziell vom Justizministerium als Menschenrechts- und Umweltverteidigerin anerkannt wurde. Am 31.03.21 äußerte sich das Umweltministerium ebenfalls besorgt und unzufrieden über das Urteil gegen Lucila Pautrat und fordert eine Neubeurteilung des Falles auf Grundlage internationaler Normen für die Arbeit von Menschenrechts- und Umweltverteidiger*innen.

Wir sehen die Verurteilung als einen Akt der Kriminalisierung kritischer Stimmen und gleichzeitig den Versuch, die Arbeit von Umweltschutzaktivist*innen einzuschränken. Dieser Versuch reiht sich in restriktive Maßnahmen der peruanischen Regierung gegenüber Umweltorganisationen ein, sowie in ein Szenario von Bedrohung, Ermordung und Verfolgung indigener und bäuerlicher Vertreter in Peru wie auch weiteren Ländern mit großem Anteil am Amazonasgebiet (z.B. Kolumbien, Brasilien).

Lucila Pautrat und Kené Amazon gehen in Revision. Sie widersetzt sich den Einschüchterungsversuchen und verfolgt weiterhin die Umsetzung von Umweltrechten und Rechten der lokalen Bevölkerung.

Es ist zu hoffen, dass dieses Vorgehen von Tamshi SAC dazu führt, dass seine illegalen Rodungen und Umweltdelikte auch international größere Aufmerksamkeit erlangen. Aktuell sind weitere Gerichtsverfahren gegen Tamshi SAC anhängig.

Wir berichten von den nächsten Schritten in der Auseinandersetzung zum Schutz Amazoniens.

 

Weitere Informationen zur Verurteilung von Lucila Pautrat (auf spanischer Sprache) finden Sie etwa bei La República oder ideele Radio.

Weiteres zu unserer Projektarbeit im peruanischen Amazonasgebiet finden Sie hier.