Peru: Bahnbrechendes Urteil gegen illegalen Holzeinschlag erwirkt

Das Gemeingut im peruanischen Amazonasgebiet wächst

Im modellhaften Verbund den Regenwald retten: Ziel unserer Partnerorganisation ACELPA ist die Einrichtung einer Gemeingut- Naturschutzzone im peruanischen Amazonas-Regenwald.

Seit Jahrzehnten schreitet die Abholzung im Amazonas-Regenwald zugunsten von Weide- und Sojaanbauflächen voran. Mit der jüngsten Welle an Brandrodungen nahm die Zerstörung eine neue, verheerende Dimension an. Dabei bildet die Funktion des Amazonaswaldes als Kohlenstoffspeicher ein unabdingbares Gegengewicht zur Erderwärmung: Gewaltige Mengen an heißer Luft werden hier der Erdatmosphäre entzogen, verdunsten, erzeugen Regen und kühlen die Erde erneut ab. Ein einziger Baum gibt bis zu 1.000 Liter Wasser an die Atmosphäre ab.

Unsere Partnerorganisation ACELPA aus der peruanischen Amazonasgemeinde Tamshiyacu stemmt sich gegen diesen Raubbau. Seit 2014 erwerben sie Flächen im Regenwald, um der illegalen Abholzung und dem großflächigen Kakaoanbau der multinationalen Firma Tamshi SAC in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft Einhalt zu gebieten. Durch Unterstützung der Zukunftsstiftung Entwicklung, des Weltfriedensdienstes und Rettet den Regenwald e. V. konnten bisher über 550 Hektar Regenwald gekauft werden. Ziel ist die Errichtung einer Gemeingut-Naturschutzzone. Dazu soll in naher Zukunft der Bestand an Flora und Fauna auf den Waldflächen systematisch erhoben und inventarisiert werden. Dies dient als Grundlage für die formelle Beantragung eines privaten Naturreservates (Área de Conservación Privada). Auch sammeln die Mitglieder von ACELPA Samen seltener Bäume und Pflanzen und sorgen dafür, dass diese in dem geschützten Gebiet wachsen können.

Jetzt erreichte ACELPA im Bündnis mit Anwälten aus der Hauptstadt Lima die Verurteilung der aktuellen Betreiberfirma der illegalen Kakaoplantagen. Die Firma Tamshi SAC wurde zu einer Geldbuße von umgerechnet über 4 Millionen Euro wegen nicht genehmigter Rodung von 1.950 Hektar und illegalem Holzhandel verurteilt.Es ist ein für den Umweltschutz in Peru bislang einzigartiges Urteil (25. Juli 2019). Über ein Dutzend weiterer Gerichtsverfahren sind gegen diese Firma und hochrangige Manager noch anhängig.

Bei ACELPA geht der aktive Regenwaldschutz Hand in Hand mit der Entwicklung von tragfähigen Lebensperspektiven. Alle Mitglieder von ACELPA bilden sich im biodynamischen Landbau fort. Auf ihrer Schulungsfarm stellten sie beeindruckt fest, dass durch die Verbesserung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit auf Brandrodung verzichtet werden kann. Ein Modell, das nun in der Region weiter verbreitet werden soll.

Neben dem Anbau von Obst, Gemüse und Heilpflanzen wird auch die Hühner-, Fisch- und Bienenzucht Regenwalderhaltend ausgebaut. Inzwischen verkauft ACELPA Ananas-, Tumbo- und Maniok-Ernten erfolgreich auf dem lokalen Markt.

Für die nächste viertägige Schulungseinheit in biodynamischem Landbau und Organisationsentwicklung werden 2.300 Euro benötigt. Der Kauf eines Hektars Regenwald kostet einschließlich der Kataster- und Notarkosten rund 300 Euro.

Bildunterschriften:
1. Ananas-Ernte für den lokalen Markt
2. Indigene Melliponen liefern kleine Mengen sehr begehrten Honigs.