30 Jahre Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen der GLS Treuhand

10 Jahre Zukunftsstiftung Entwicklung

Bericht zum Jubiläum

Brücken bauen zwischen Engagement und Tatkraft, zwischen SpenderInnen und ProjektpartnerInnen in der Welt. Seit 30 Jahren engagiert sich die GLS Treuhand in der Entwicklungszusammenarbeit. Vor zehn Jahren wurde die Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe gegründet. Dies wollten wir gemeinsam mit SpenderInnen, Wegbegleitern und unseren Projektpartnern feiern.

Dank der kontinuierlichen Unterstützung der SpenderInnen konnten allein im letzten Jahr 79 Projekte in 20 Ländern gefördert werden. Auf der zentralen Jubiläumsveranstaltung am 18./19. Mai 2012 in Bochum berichteten Projektpartner aus Nepal, Peru, Kenia, Afghanistan, Vietnam, Brasilien und Pakistan über die Strahlkraft der engen Zusammenarbeit zwischen der Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe und den Menschen vor Ort.

Den Beginn machte Joseph Ngugi Mutura aus Kenia. Mit der von ihm gegründeten Organisation SACDEP (Sustainable Agriculture Community Development Programme) unterstützt er Familien um mit kleinbäuerlicher, organischer Landwirtschaft ein ernährungssicheres Leben zu erreichen. Seine Vision ist ein Afrika ohne Hunger. „Es ist keine Frage des Geldes, sondern des Wissens“, sagt er. Sein Team schult Kleinbäuerinnen in ökologischer Landwirtschaft, von der Kompostdüngung bis zum Wassermanagement. Inzwischen haben über 11.000 kleinbäuerliche Familien gelernt, wie sie sie sich selbst ernähren und ein kleines Einkommen erwirtschaften können. Als nächster Schritt ist der Aufbau eines landwirtschaftlichen Colleges geplant, um die Ergebnisse der fast zwanzigjährigen Erfahrungen durch die Weitergabe an junge StudentInnen zu multiplizieren.

Am Samstagmorgen schilderte Renu Sharma den Gästen der Jubiläumsveranstaltung das Leid und die Gewalt, der nepalesische Frauen alltäglich ausgesetzt sind. Seit 23 Jahren setzt sich die Leiterin der Frauenorganisation „Women‘s Foundation“ erfolgreich für die Rechte der Frauen in Nepal ein. Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, verhilft sie durch medizinische und psychologische Unterstützung und Ausbildung zu einem Neustart in ein eigenständiges Leben.

Aus Peru angereist erzählt Verónica Rondón von den Umständen der Menschen, die in den Slums rund um Lima leben. „Sie sind abgeschnitten von ihren Wurzeln, ihrer Identität auf dem Land. Wir bauen mit ihnen die fehlenden Infrastrukturen, um ihrem Leben eine neue Richtung zu geben.“ Diese Gebäude wie Schulen, Kindergärten oder Kulturzentren erschaffen Räume als schöne Lebensräume im tristen Staub und Grau der Slums. Vor allem kümmert sich ihre Organisation um Bildung und die Förderung von Menschen mit Behinderungen.

Den Vortragsreigen abschließend, berichtete Mohammad Sabur Achtari. Der Ingenieur und Erfinder sagt von sich selbst: „Ich bin ein Mensch, der die Probleme sieht“. Abends tüftelt er an Erfindungen zu erneuerbaren Energien für seine Heimat Afghanistan. Vor allem will er Frauen von schwerster körperlicher Arbeit befreien und ihnen die Möglichkeit zu Bildung geben. Er verwendet Materialien, die seine Landsleute vor Ort finden können. Die dezentralen, elektrischen Versorgungseinheiten bestehen aus Windkrafträdern, die mit einem Solarpanel kombiniert genutzt werden. Auch Menschen in abgelegenen Dörfern haben dadurch Zugang zu Elektrizität.

Anfangs sei es schwierig gewesen, Spendengelder zu generieren. Doch dann traf er Walter Burkart, Gründer des entwicklungspolitischen Engagements der GLS Treuhand. Seither arbeitet Achtari eng mit der Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe und ihrer heutigen Geschäftsführerin Dr. Annette Massmann zusammen.

Immer wieder tauchte in den Berichten die Bedeutung von Begegnung für das Engagement Einzelner auf. Eine erste Begegnung als Auslöser dafü, Schwierigkeiten selbst in die Hand zu nehmen. Einfach anzufangen, dort wo es Not tut.

Gerade 16 Jahre war z.B. Renu Sharma alt, als sie gemeinsam mit anderen Mitstudentinnen einem jungen, sehr armen Elternpaar begegnete, die in Kathmandu nach ihrer kleinen Tochter suchten. Da weder Polizei noch Behörden ihnen bei der Suche behilfreich sein wollten, entschieden die jungen Studentinnen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Drei Monate später fanden sie das neunjährige Mädchen und befreiten es. Den jungen Frauen waren bei der Suche eklatante Missstände bewusst geworden. Das Auffinden des Mädchens gab ihnen viel Energie, um sich weiter einzusetzen. Heute hat die Frauenunion 11.000 Mitglieder und betreibt drei Frauenhäuser. Zuletzt wurde im Februar 2012 der Erweiterungsbau eingeweiht, der aus Spendengeldern finanziert werden konnte.

Auch während der Jubiläumsfeier stand der Raum für Begegnung und Austausch im Vordergrund. Viele SpenderInnen und Wegbegleiter fanden zusammen. Neben den Vorträgen wurde gemeinsam Musik aus den verschiedenen kulturellen Zusammenhängen genossen. In anschließenden Gesprächsgruppen berichteten auch Shahida Perveen-Hannesen von ihrem Engagement in Pakistan, Thi myHanh Nguyen von Projekten in Vietnam und Edda Riedel über die Entwicklungen in der Favela Monte Azul in Sao Paolo.

Auf dem bunten Marktplatz während der zwei Jubiläumstage in Bochum konnten Produkte aus aller Welt bestaunt und erworben werden. Eine besondere Augenweide bot der liebevoll schön aufbereitete Schmuck, den Dorothea Offermanns und Walter Sturm zu Gunsten der Projekte in Peru präsentierten.

Für das leibliche Wohl sorgten selbst gebackene Kuchen und eine Mischung von Speisen aus aller Welt. Bei herrlichem Sonnenschein bot zudem der Garten der GLS Bank viel Platz für persönliche Gespräche. Es war eine anregende, offene Stimmung. Das gemeinsame Fest zeigte auf, was Kooperation möglich macht. Brücken sind gebaut -  und wurden weiter gestärkt.

Wir möchten allen Beteiligten - Helfern und Gästen - ganz herzlich danken und grüßen besonders herzlich auch jene, die die weite Reise nicht auf sich nehmen konnten. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Zu den Gästen

Hier finden Sie eine Kurzvorstellung der Projektpartner.

 

Bildunterschriften:
1. v.l.n.r.: Shahida Perveen-Hannesen, Renu Sharma, Thi myHanh Nguyen, Verónica Rondón, Dr. Annette Massmann, Ngugi Mutura, Mohammad Sabur Achtari
2. Renu Sharma
3. Mohammad Sabur Achtari
4. Gespräche mit den Projektpartnern bei Kaffee und Kuchen