Lebensperspektive für Kleinbäuerinnen

Ausbildung für Kleinbauern



SACDEP - Sustainable Agriculture Community Development Programmes

Dieses kurze Video beschreibt die aktuelle Arbeit unseres kenianischen Projektpartners SACDEP und die Pläne für die Zukunft


Einen weiteren kurzen Filmbericht über die Arbeit von SACDEP finden Sie auch in unserem Jubiläumsfilm


Projektbeschreibung

Gruppen von Kleinbäuerinnen in sechs Distrikten von Kenia (Githunguri, Kiambu, Mbeere, Mwingi, Nayndurua, Laikipia, Kajjado) schaffen sich auf der Grundlage organischen Landbaus eine nachhaltige, selbstständige Einkommensperspektive. Über 80% der Beteiligten sind Frauen. Bereits 70.000 Haushaltsvorstände konnten erreicht werden. 

Die durchschnittliche Familiengröße liegt bei sieben Personen.

Durch die Ausdehnung des organischen Landbaus wurde die Bodenfruchtbarkeit in der Re­gion erhöht und die Ernährungssicherheit der Menschen erreicht. Aus Nahrungsmittelhilfe­empfängern 1992 sind heute organisierte Kleinbäuerinnen geworden, die bei den jüngsten Unruhen in Kenia ihren vertriebenen Landsleuten Nah­rungsmittelhilfe ge­währen konnten.

Pro Projektphase (vier Jahre) sind es 1440 bis 1880 Kleinbäuerinnen, die erreicht werden. Die Kleinbäuerinnen sind in Selbsthilfe­gruppen von 30 – 40 Personen organisiert. Die Bundesre­gierung unterstützt dieses Projekt mit 80% der notwendigen Mittel.


Wesentliche Elemente des Projekts

  • Die Organisation der Kleinbäuerinnen in Selbsthilfegruppen von 30 – 40 Personen.
  • Die Weiterbildung im organischen Landbau (Kompostierung und Kompostdüngung, Herstel­lung und Anwendung natürlicher Pflanzenschutzmittel, Diversifizierung des Anbaus von Grundnahrungsmitteln, das Erlernen von Wassermanagement; Saatgutspeiche­rung und Erhaltung lokalen und regionalen Saatguts, Kleintier- und Rinderzucht, -haltung, -pflege) ferner Investitionen für Saatgut, Kleintiere, Ziegen, Rinder.
  • Dazu kommen Investitionen wie z.B. Aufbau von Ziegen- und Kuhställen, Wassertanks, Biogasanlagen, Windräder, Handpumpen, angepasste Technologien der Weiterverarbeitung.
  • Jede Gruppe erhält nur einen Teilzuschuss.
  • Über partizipative Verfahren wird innerhalb der Gruppe entschieden, wer als erster eine Förderung erhält. Tiere werden in revolvierender Weise weitergegeben. D.h., in einer Gruppe von 30 Frauen erhalten bsplsw. drei Frauen jeweils eine Ziege. Entstehende Zick­lein werden an die nächsten Frauen weitergegeben. Ein Zuchtbuch wird jeweils geführt, um Degeneration zu vermeiden. Gleiches gilt für andere Tiere.
  • Der Einsatz und die Verbreitung regenerativer Energien werden über Windkraftanlagen z.B. bei der Wassergewinnung und über Biogasanlagen (Exkremente einer Kuh reichen für die Produktion von Gas für drei Haushalte aus) zusätzlich gefördert.

Gruppen, deren Kenntnisse im organischen Landbau konsolidiert sind, die also eine Projekt­runde von jeweils etwa vier Jahren absolviert haben, werden in folgenden Techniken weiter­gebildet:

  • Weiterverarbeitung der eigenen Erzeugnisse: z.B. Trocknung von Früchten, Saftherstel­lung, Ölpressung etc.
  • Vermarktung der eigenen Erzeugnisse / z.B. durch Aufbau von Dorfläden „outlets“, Ver­trieb nach Nairobi etc.
  • „table banking“ – Mikrokreditvergabe unter den Kleinbäuerinnengruppen aus den selbststän­dig erwirtschafteten Erlösen des Verkaufs ihrer Produkte.

Wie sich eine neue Gruppe zusammenfindet

Jede neue Bauerngruppe braucht etwa ein halbes Jahr, bis sie eine gewisse Stabilität erreicht. Manche Frauen springen auch wieder ab, wenn sie sehen, dass Erfolge mit harter Arbeit ver­bunden sind. Wenn man mit etwa 45 Kleinbäuerinnen anfängt, sind es nach sechs Monaten noch etwa 30. Diese bilden dann aber auch eine starke Gruppe.

Jedes Mitglied hat nach dem ersten Halbjahr seine Aufgabe und seine Stellung gefunden und verstanden. Das gemeinsame Aufstellen von Gruppenregeln und deren Niederschrift hilft da­bei. Mit einer solchen ‚Satzung’ lassen sich die Gruppen amtlich registrieren. Dazu sind die Repräsentanten der Gruppe zu wählen, nämlich die Vorsitzende, Stellvertreterin, Schrift­führerin und Kassenwartin. Schließlich wird ein gemeinsames Bankkonto eröffnet.


Beschreibungen von Teilbereichen des Projektes

1. Ziegenmilch

 „Ein großes Problem ist eine ausgewogene Ernährung. Wie oft begegne ich Kindern, die dünn und apathisch herumstehen. Wie oft erlebe ich aber auch, wie segensreich sich biologisches Gemüse auswirkt. Bei uns auf dem Lande in Kenia werden die Kleinkinder möglichst drei Jahre lang gestillt; danach aber brauchen sie weiterhin Proteine.

Da ist die Milchziege eine unentbehrliche Spenderin: Bisher einseitig ernährte Kinder blühen mit Ziegenmilch richtig auf. Ihr krauses Haar verliert den blonden Schimmer und wird kräftig schwarz. Die Mütter sind echt begeistert. Sie verwenden viel Zuwendung auf ihre Milchziegen und deren Trächtigkeit durch den gemein­samen Ziegenbock ihrer Frauengruppe.“

2. Nutzung von Biogas gegen Abholzung und für die Gesundheit

Wo es weder Strom noch Elektroherd gibt, bleibt nur Feuerholz zum Kochen übrig. Auf dem Land in Kenia müssen es die Frauen oft zeitaufwändig zusammen suchen und auf dem Rücken nach Hause schleppen. Offene Feuer belasten Kinder und Erwachsene mit giftigen Abgasen etwa so stark, als würden um sie herum täglich 250 Zigaretten geraucht. Von tränenden Augen und Dauerhusten ganz abgesehen.

Deshalb werden 30 Biogas-Anlagen in unserem  Projekt gebaut. Im Biogas-Dom werden Tierdung und Garten­abfälle zu Methangas umgesetzt. Bei diesem sauberen Kochgas entfällt das tägliche Ab­schrubben des zähen und hitze-isolierenden Ru­ßes von den Kochkesseln.

Wenn Biogas-Anlagen vorhanden sind, werden  viele organische Abfälle nicht mehr verfeu­ert, wie z.B. trockene Mais-Stängel. Vielmehr bleiben diese wertvollen Pflanzenreste nach der Biogas-Fermentierung über den Kompost für den Gartenkreislauf erhalten.

Bei Biogas-Versorgung wirkt sich auch der Holzmangel nicht auf die Verschlechterung der Essgewohnheit aus. Beispielsweise können Maiskörner ausreichend lange gekocht werden und müssen nicht mehr verkauft werden, um Geld zu erhalten, mit dem man kurz kochendes, aber ausgemahlenes und nährstoffarmes Maismehl kauft.

Die Nutzung der Biogasanlagen führt außerdem zu einer deutlichen Reduzierung der Abhol­zung durch Suche nach Feuerholz.

Projektbeschreibung Biogas in Kenia


3. Nachhaltige Ernährungsouveränität durch Ökologischen Landbau

Die push & pull – Methode beim Maisanbau/ Vermittlung von Techniken ökologischen Landbaus

Der Mais-Zünsler ist auch in Kenia ein großes Problem. Dieser Stengelbohrer kann zusam­men mit dem Unkraut Striga ganze Maisfelder zerstören. - Bei Mwala wird uns ein solches von Stengelbohrer  und Striga zerstörtes, braun-gelbes Feld gezeigt.

Gleich daneben steht der Mais in zwei Meter hohen, saftigen, dunkelgrünen Pflanzen mit ge­sunden Kolben. Es handelt sich um die gleiche Maissorte. Beide Felder waren zur gleichen Zeit bepflanzt worden. Aber um das zweite Feld hatte die Bäuerin Napier-Gras ausgesät, eine mannshohe Futterpflanze.

Mit der Natur

Denn das Napiergras zieht mit seinem Duft den Stengelbohrer an. Zwischen den Maisreihen ist zudem das Bohnengewächs Desmodium gepflanzt. Dessen Düfte aber stoßen den Stengel­bohrer ab. Gleichzeitig unter­drückt Desmodium höchst wirksam das Unkraut Striga.

Der Stengelbohrer wird also einerseits vom Desmodium aus dem Maisfeld vertrieben und andererseits vom Rand des Feldes her durch Napiergras aus dem Maisfeld herausge­lockt – eine biologische 'push-pull'-Methode. Entwickelt wurde sie in Kenia am ICIPE-Forschungsinstitut in Nairobi.

Dessen Direktor: "Die push-pull-Methode wurde gemeinsam mit Bauern und Bäuerinnen entwickelt. Sie ist nun verfügbar und wird von den Leuten benutzt. Mit der push-pull-Methode ist eine integrierte Lösung für das Problem des Stengelbohrers und des Unkrauts Striga ge­funden. Als zusätzlichen Gewinn erhalten wir proteinreiches Tierfutter, natürlichen Stick­stoffdünger und einen guten Schutz vor Bodenerosion. Es fördert dauerhaften Landbau."

Gentechnik-Poker

Geht es nach der Firma Novartis, soll der Stengelbohrer mit Gentechnik bekämpft werden. Sie testet zusammen mit dem kenianischen Forschungsinstitut KARE, ob ihr genmanipulierter Bt-Mais gegen afrikanische Stengelbohrer resistent ist. Der Bt-Mais enthält in jeder Zelle ein Bakteriengift-Gen - das Bt-Gen - und produziert sein eigenes Gift gegen Schadinsekten. Die Versuche, die über sechs Millionen US-Dollar kosten sollen, stehen noch ganz am Anfang. - (Und wie soll das Unkraut Striga bekämpft werden, das bei Maiskulturen noch größere Schä­den anrichtet als der Stengelbohrer? Durch Herbizid-Zukauf etwa!).

Die Agro-Gentechnik, bei der alles Saatgut teuer zugekauft werden muss, ist zur Symbolfigur einer hochproblematischen Industrielandwirtschaft nach US-Manier geworden. Sie ist eine wichtige Pokerkarte im globalen Wettbewerb, bei dem es um Kontrolle und Märkte, nicht aber um Hungerbekämpfung geht.

Selbstbestimmt leben

Afrikanische Fachleute sprechen von einer "Kontrolle aus der Entfernung", der das Saatgut und damit die Lebensgrundlagen afrikanischer Länder unterworfen werden sollen. Sie be­zeichnen diese Situation als unerträglich und verlangen ein Patentverbot auf jede Art von Le­bewesen.

Auch die volkswirtschaftlichen Zahlen sprechen eine klare Sprache: In den letzten 10 Jahren hat sich der Anteil der Menschen unter der Armutsschwelle wieder erhöht. Das ist zweifellos der unregulierten Liberalisierung zuzu­schreiben, in deren Folge die Import-Preise für Kunstdünger, Herbizide, Ma­schinen usw. weit stärker gestiegen sind als die Erntepreise. Die Handelsbilanz-Defizite stiegen also.

Wir unterstützen einen Landbau, der mit der Natur wirtschaftet, der den Bauern die Selbstbe­stimmung lässt, der auf teure Zukäufe verzichten kann und der stattdessen lieber organische Kreisläufe nutzt. - Die Erfolge von über bisher 5.600 Kleinbäuerinnen in Kenia bestärken und begeistern immer aufs Neue. Das derzeitige Projekt zur Selbsthilfe von Kleinbäuerinnen in Kenia (Wassertanks, Milchziegen, Gemüsegärten) umfasst ca. 1.440 kleinbäuerliche Haus­halte in 48 Gruppen.


Ein Beispiel aus dem Projekt

Wanjiko Mungai hat 6 Kinder und bewirtschaftet mit ihrem Mann Gil ein Landstück von etwa 30 m Breite, das sich ca. 170 m einen Abhang hinunterzieht. Früher war dieser halbe Hektar vor allem mit Kaffeesträuchern bestanden, die ein leidliches Einkommen für die täglichen Einkäufe ermöglichten. - Aber nach dem immer weiteren Zusam­menbruch des Kaffeepreises stand auch die Familie von Wanjiko so gut wie vor dem Ruin. - Die Rettung kam nur dadurch, dass sie  sich einer Selbsthilfegruppe anschloss und den organischen Landbau für die Selbstversorgung erlernte.

Kompost als Lebensquell

Heute ist das gesamte Anwesen terrassiert und Futtergras befestigt die Terrassenränder. Durch reiche Kompostgaben haben sich die Erträge tatsächlich verdreifacht. Wo immer Platz ist, steht das niedere Desmodium, ein hervorragender Stickstoffsammler und Bodendecker, und liefert wie ca. 300 Calliandra-Büsche bestes Ziegenfutter sowie Feuerholz. Die Milchziege spendet täglich ca. 2 l Milch über 9 Monate. Einige Hühner sowie Angorahasen und vier Bienenvölker tragen das Ihrige zur Intensivierung des landwirtschaftlichen Kreislaufs bei.

Quelle der Arbeit mit der Natur ist der gepflegte Kompost und der beschenkt die Familie fast das ganze Jahr über mit vielfältigem Gemüse. Da sind z.B. die afrikanischen Wurzelge­wächse  (wie Maniok und Yams sowie Pfeilwurz und Süßkartoffeln). Relativ neu sind Mais, Kohl, Mangold, Zwiebeln, Auberginen, Zucchini, Kürbis und Baumtomaten. Aus Hirse wird zu Festzeiten der beliebte Met gebraut, während geröstete Sojabohnen einen gesunden Ersatz für Tee und Kaffee darstellen. Interessant ist auch die Wiederentdeckung der früheren, trockenheitsresistenten Blattgemüse und Samenfrüchte wie Tauben-, Strauch- und Kuherbse.

Als Fruchtbäume pflanzte Wanjiko Avocado, Mango, Banane und die kugelrunde Maca­damia-Nuss. Auch Wert auf Arzneipflanzen wird gelegt.  So hilft der Neembaum gegen Parasiten oder das Papayafruchtfleisch gegen Magengeschwüre und die Papayamilch gegen Wür­mer.

Die mit Passionsfrüchten übervoll behangenen Spaliere versprechen gute Marktverkäufe. Wanjiko ist inzwischen auch als Lieferquelle für Setzlinge bekannt, z.B. für die Futterpflan­zen Lucaena, Calliandra und Grevillea (Silbereiche) und für die Obstbäume Mango und Avo­cado. Von Passionsfrucht-Setzlingen lässt Wanjiko die Lufttriebe im Erdreich zu Wurzeln ausschlagen und pfropft sie dann auf eine besonders aromatische Sorte aus Simbabwe.

Sozial gewachsen

Kurz: Eine vielseitige Selbstversorgung ist nach 4-jähriger Aufbauarbeit nunmehr erreicht. Auch kann genug Bargeld erwirtschaftet werden für die Schulgebühren, für Kleidung und für kleine Einkäufe. Das Leben hat sich wahrlich positiv verändert.

Vor allem aber hat Wanjiko jetzt ihr Familienleben besser "im Griff". Ihr Mann hilft beim Landbau mit und auch die Kinder packen nach der Schule und am Wochenende kräftig mit an.

Wanjiko ist inzwischen zur Schriftführerin der Selbsthilfegruppe gewählt worden. Sie hat gelernt, ihre Meinung einzubringen. Das Wissen über die Naturzusammenhänge, so sagt sie, habe ihr einen ganz anderen geistigen Horizont vermittelt. Deshalb wird sie jetzt auch von ihren Nachbarn beachtet und anerkannt und um Rat gefragt.

Gemeinschaft

In der Regel erhält nur jede dritte Bäuerin der Selbsthilfegruppen eine Milchziege und von den Regenwassertanks werden nur die ersten mit Hilfe unserer Partnerorganisation erstellt. Nachdem es dann den zuerst begünstigten Frauen besser geht, zahlen diese in ihre Gruppenkasse Beiträge ein, aus denen die anderen Mitglieder ebenfalls eine Milchziege und einen Regenwassertank er­halten. Wanjiko sagt dazu: "Unseren segensreichen Wassertank will ich erst dann als Eigen­tum betrachten, wenn wir auch für das letzte Mitglied unserer Gruppe einen Wassertank ge­baut haben werden. Denn Wasser ist Leben."


Bau eines Wassertanks

Von besonderer Bedeutung ist der Umgang mit dem knappen Wasser. Ausgehend von den lokalen Gegebenheiten erlernen die Gruppen den Umgang mit angepassten Technologien zum Sammeln, Speichern und der bewussten Nutzung und Verwaltung des Wasser. Zu den selbstverwalteten kommunalen Bewässerungssystemen "Wenyewe" siehe hier.

 

 

Bildunterschriften:
1. Treffen der Gemeindeführer der Massai
2. Die Kleintierhaltung verbessert Ernährungs- und Einkommenssituation
3. Kleinbäuerinnenschulung direkt auf der Farm
4. Bau einer Biogasanlage
5. Lokale Saatgut mit angepassten Wachstumsqualitäten
7. Bau eines Wassertanks